POST-LYME SYNDROM
Post-Lyme-Syndrom

Der Begriff Post-Lyme Syndrom wird nicht einheitlich verwendet. Im Prinzip beschreibt das Post-Lyme Syndrom die Symptome (= Krankheitszeichen) nach dem Ausbruch der Lyme-Kran kheit.

Die Lyme-Kran kheit wird auch als Lyme-Bor rel iose bezeichnet.

Zur Geschichte der Lyme-Kran kheit

Die Lyme-Kran kheit ist erst seit 1975 bekannt ist. Grund war ein gehäuftes Auftreten von ähnlichen Krankheitsbildern in der Gemeinde LYME in Connecticut (USA). Die Patienten hatten vor allem eine Gemeinsamkeit: Sie wurden von Zec ken befallen.

Die ersten Krankheitszeichen der Lyme-Kran kheit traten in der Regel erst 2-3 Tage später auf. Es zeigte sich um die Einstichstelle eine auffallende Rötung, die sich immer mehr ausdehnte, das so genannte Erythema chronicum migrans auch Wanderröte oder Ringröte genannt. Zudem berichteten die Patienten über ein starkes Müdigkeits-, und Schlappheitsgefühl. Zusätzlich wurden Mus kelschmerzen und grippeähnliche Symptome (= Krankheitszeichen) geschildert. Ca.80% der Patienten hatten Wochen nach den ersten Zeichen Herzprobleme. Monate später entwickelten ca. 60 % der Betroffenen eine Ar thritis (= Gelen kentzündung), die sogar Jahre später immer wieder aufflammte. Ein Teil der Patienten entwickelte Monate und Jahre nach der Infektion neurologische und psychiatrische Symptome (15-20%).

Erst 1984 gelang es dem Wissenschaftler Willi Burgdorfer das Bakterium zu isolieren und zu erforschen. Der Erreger der Lyme-Kran kheit bekam einen Namen: Borrel ia - Burgdorferi.
Die Borrel ien sind der Familie der Spirochäten (speira = Windung) zugeordnet und sind korkenzieher- oder schraubenförmig . Die Erreger haben eine „familiäre Bekanntschaft“ zum Syphiliserreger, daher auch die frühere Bezeichnung „Syphilis aus dem Wald“.
Das besondere und auch zugleich heimtückische an dem Erreger ist, dass er sich nicht nur über den Blutweg, sondern auch über sämtliche Körpergewebe und Flüssigkeiten ausbreiten kann. (Daher ist eine Labordiagnostik im Anfangsstadium der
Kran kheit oft fehlerhaft.)

Die Übertragung

Die Lyme-Kran kheit  wird zum größten Teil von Zec ken übertragen. In Europa ist es die Schildzecke (Ixodes-ricinus) oder auch gemeiner Holzbock genannt. In den USA  ist es hauptsächlich die Hirschzecke oder Ixodes-scapularis (dammini). In neuester Zeit werden auch Bremsen und Läuse als Überträger vermutet. Der Hauptüberträger ist jedoch die Zecke.
Die Zecke gehört zu den Spinnentieren und hat vier verschiedene Entwicklungsstadien: 

  1. Das Ei - für die Übertragung uninteressant. 

  2. Die Larve   (0,5mm groß) - braucht zum Erreichen des nächsten Entwicklungsstadiums einen Wirt (In der Regel kleine Säuger wie Mäuse oder Igel) 

  3. Die Nymphe  (1-1,5mm groß) - braucht wieder zum Erreichen des nächsten Entwicklungsstadiums einen Wirt. Jetzt kommt neben größeren Säugern auch der Mensch ins Spiel. In dieser Phase können schon Erreger übertragen werden. 

  4. Die ausgewachsene oder adulte Zecke  (2-4mm groß) braucht wieder einen Wirt und damit eine Blutmahlzeit. In dieser Phase ist wieder eine Übertragung möglich

Die Zecke sucht auf ihrem Wirt eine geeignete Stelle, um dann mit ihrem Saugapparat die Haut zuerst aufzuschneiden und danach den Saugrüssel, der mit Widerhaken  versehen ist in die Haut zu stechen. Man spricht also nicht, wie es irrtümlich angenommen wird, von einem Zec ken biss, sondern von einem Zec kenstich! Während des Einstechens in die Haut geben die Zec ken einen im Speichel enthaltenen Stoff in die Haut, der sowohl die Stelle betäubt als auch das Blut dünnflüssiger macht. Daher werden viele Zec kenstiche erst gar nicht entdeckt.
Das Bakterium Borellia burgdorferi kommt aber erst nach einem Saugvorgang von 36 Stunden in den Körper des Wirts, weil sich der Erreger nicht im Speichel sondern im Magen-Darmtrakt befindet.(Im Gegensatz zum FSME-Virus, der sofort mit dem Speichel übertragen werden kann.)

Vorab noch ein Wort zur Vorbeugung der Lyme-Kran kheit bzw. Post-Lyme Syndrom:

Natürlich sollte die Zecke so schnell als möglich vollständig entfernt werden, dazu gibt es spezielle Vorrichtungen (z.B. www.zeckenschlinge.de). In entsprechenden Risikogebieten sollte man sich ein solches Instrument vielleicht doch zulegen. Nach einem Bericht der Ärztezeitung kann die Lymekrankheit mit einer Verabreichung von 200 Milligramm Doxycyclin binnen drei Tagen nach einem Zec kenbiß bzw. Zec kenstich wirksam verhindert werden. Eine solche Vorbeugung ist aber nur dann sinnvoll, wenn die Kontaktzeit mit der Zecke mehr als 12 Stunden betragen hat. Unterhalb dieses Zeitlimits ist eine Übertragung der Erreger sehr unwahrscheinlich. Sicherheitshalber kann man nach Entfernung der Zecke dieselbe mit zum Arzt bringen, mittels Laboruntersuchungen kann dann festgestellt werden, ob diese Zecke überhaupt Borrel ien in sich hatte und somit die Lyme-Kran kheit übertragen konnte.

Symptomatik (= Entwicklung von Krankheitszeichen):

Das wichtigste Merkmal der Lyme-Kran kheit ist die Hautrötung (Erythema migrans), die zwischen dem 3. und 30.Tag nach dem Zec kenstich auftritt. Bei ca. 25 % der Patienten entwickelt sich dieses Merkmal allerdings nicht! Diese Rötung kann sich sowohl ringförmig und in der Mitte verblassend, als auch homogen ausbreiten. Teilweise entstehen Flecken oder Papeln, bzw.Pusteln. Die Rötung kann bis sechs Wochen andauern.
In dieser Anfangsphase entstehen Grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeit, Schüttelfrost, Nackensteifigkeit usw. Auffällig ist die Müdigkeit, die sich über Wochen hinzieht. Wochen und Monate später entstehen Symptome wie
Ar thritis (= Gelen kentzündung) und/oder auch Herzbeschwerden, Ner vensch merzen oder Nervenlähmungen und Psychische Störungen, die bis zur Veränderung der Persönlichkeit gehen.

Der Arzt und Spezialist für die Lyme-Kran kheit bzw. für das Post-Lyme-Syndrom Burrascano hat eine Checkliste von Symptomen der Lyme-Kran kheit herausgegeben, die es dem Arzt leichter machen soll das Post-Lyme Syndrom zu diagnostizieren.

Hier ein Ausschnitt der verschiedenen Symptome (= Krankheitszeichen) des Post-Lyme Syndrom s:

Diagnostik bei Post-Lyme Syndrom:

Anhand der oben aufgeführten verschiedenen Krankheitsbilder und der Besonderheit des Erregers kann man die Schwierigkeit der Diagnostik erahnen. 

Die wichtigsten klinischen Kriterien sind jedoch: 

  1. Der Zec kenstich
  2. Die Hautrötung
  3. Die Mattigkeit und andauernde Müdigkeit
  4. Grippeähnliche Symptome
  5. Gelenkbeschwerden

Labordiagnostik beim Post-Lyme-Syndrom: 

1. Der direkte Erregernachweis (mikrobiologisch) durch Aufzucht der Kulturen aus:

2. Der Nachweis von Antikörper (Elisa, Immunblot ) aus: 

Der Nachweis von Antikörpern gilt in den ersten 2-3 Wochen als unzuverlässig. Die Zuverlässigkeit steigt mit der Dauer der Kran kheit.

3. Der Nachweis von DNA der Erreger ( durch Polymerase-Ketten-Reaktion):

Differentialdiagnostik (= was außer Post-Lyme Syndrom sonst noch an Krankheiten in Frage kommen könnte):

Eine zunehmende differentialdiagnostische Bedeutung dürfte die neu entdeckte Huma ne Granu locyten Ehrlichiose (HGE) erlangen.

Therapie bei Post-Lyme-Syndrom: 

Die frühzeitige Behandlung mit Antibiotika ist die wichtigste Methode um die Er krankung in den Griff zu bekommen. In der Anfangsphase ist die Gabe von Tetracyclinen über einen Zeitraum von mindestens 2 Wochen sinnvoll, in der Spätphase sollte mindestens 3-4 Wochen behandelt werden.

Nach erfolgloser antibiotischer Basistherapie kann zur Schmerztherapie bei einer Ne uro-Bor rel iose (= bei dieser Form des Post-Lyme Syndrom s stehen Nervenbeschwerden im Vordergrund) ambulant zunächst Baclofen (z.B. Lioresal®) versucht werden. Teilweise hilft auch Carbamazepin (z.B Tegretal®) oder Gabapentin (z.B. Neurontin®) bzw. Pregabalin (Lyrica®) (die Kombination mit Baclofen ist ebenfalls wirksam und spart Carbamazepin bzw. Gabapentin ein, womit eine höhere Dosierung und die damit verbundenen Nebenwirkungen vermieden werden kann).
Stehen
Gelen kschmerzen im Vordergrund (Lyme-Arth ritis), können nichtsteroidale (= nicht kortisonhaltige) Antirheumatika gegeben werden. Besonders magenschonend sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®).

Persistierende (= trotz Basisbehandlung verbleibende) Beschwerden / Schmerzen sind beim Post-Lyme Syndrom leider oftmals sehr hartnäckig und geben dann Anlaß zu einer speziellen Schmerztherapie.

Beim Post-Lyme-Syndrom hat sich die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) sowohl in Form der Neuroborreliose als auch Lyme-Arthritis sehr bewährt, insbesondere die kontinuierlichen Nervenblockaden mittels eingepflanztem Katheter.

Methodenbeschreibung "Kontinuierliche (repetitive) Nervenblockaden mit Katheter":

  1. Nervus femoralis (vorderer Oberschenkelnerv): Bei dieser Methode suchen wir von der Vorderseite des Oberschenkels her, handbreit unterhalb des Leistenbandes mit einer Kanüle in der Tiefe den Oberschenkelnerv auf und legen in die Nervenscheide (Gewebsumhüllung des Nerven) einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) ein. In den nächsten 2-3 Wochen spritzen wir dann mehrmals täglich eine verdünnte örtliche Betäubungsmittellösung ein. Dabei wählen wir die Konzentration des Wirkstoffes so, daß die grobe Kraft und damit die Beweglichkeit erhalten bleibt, aber die Schmerzempfindlichkeit deutlich herabgesetzt oder gar aufgehoben ist.
    Anwendungsbereiche
    : (vordere)
    Oberschen kelschmerzen, Kniegelen kschmerzen und zum Teil Unterschenkelbeschwerden (vorderer und innerer Anteil).

  2. Gegen Schmerzen im Hüft- (auch ftgelenk) und Le istenbereich kann vorgenannte Methode verändert angewendet werden (der sog. 3 in 1-Block oder die Pl exus lumbal is-Blockade): Wenn man die Menge der örtlichen Betäubungsmittellösung erhöht (ca. 25-35 ml) und während des Einspritzens den Oberschen kel abstaut, wird die Wirkstofflösung nach oben getrieben (innerhalb der Nervenscheide) und betäubt weitere Nerven, die die genannten Körpergebiete versorgen.

  3. Nervus isch iadicus: Bei dieser Methode suchen wir von der Oberschenkelrückseite her, handbreit unter dem Gesä ß, den Ischiasnerv in der Tiefe mit einer Kanüle auf und legen einen dünnen Kunststoffschlauch in die zugehörige Nervenscheide (Gewebsumhüllung) ein. In den folgenden 2-3 Wochen wird dann in diesen Schlauch mehrmals täglich eine verdünnte, örtliche Betäubungsmittellösung eingespritzt. Je nach Wirkstoffkonzentration kommt es dann im Versorgungsgebiet des Nerven zu einer Verminderung der Schmerzempfindlichkeit bis hin zur Schmerzfreiheit.
    Anwendungsbereiche: rückwärtiger
    Oberschen kel, hinterer und äußerer Unterschen kel, Fu ß und Fußgelen ke.

  4. Plexus brachialis: Die Einpflanzung des Katheters erfolgt nahe der Achselhöhle am inneren Oberarm oder im seitlichen unteren Halsbereich (der sog. interskalenäre Zugang).
    Anwendungsbereiche: der ganze Arm einschließlich El len bogen- und Han dgelenke, in der sog. retrograd hohen Variante oder beim interskalenären Zugang auch das Schu ltergelenk.

Wenn Schmerzen bei Post-Lyme Syndrom längerfristig bestehen, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.

Weitere Informationen zu Zec kener krankungen und zum Post-Lyme-Syndrom finden Sie unter:
www.zec kenbiss-borrel iose.de

In Deutschland gibt es mittlerweile an vielen Orten Selbsthilfegruppen. Falls Sie Interesse haben: www.bo rreliose-bund.de (einfach anklicken).

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O
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